Nachbetrachtung Österreich - Holland
Da nun ein paar Tage seit dem Länderspiel gegen Holland vergangen sind, fällt es mir auch leichter, die Geschehnisse richtig einzuordnen.
Sehr wichtig ist mir, dass wir alle – vor allem aber die Mannschaft - das viele Positive aus unserer Leistung mitnehmen! Nicht jede Mannschaft ist im Stande, gegen Holland 3:0 in Führung zu gehen und vor allem wie wir das Spiel begonnen haben, war toller Fußball auf höchstem Niveau und Tempo! Außerdem war die Atmosphäre im Stadion fantastisch und die gute Stimmung unter den Fans hat sich anfangs ja auch gleich auf uns Spieler übertragen. Außerdem haben sie uns bis zum Schluss fantastisch unterstützt, die Fans hatten auf jeden Fall schon EM Form!
Leider ging das Spiel ja dann bekanntlich noch 4:3 verloren, und mit dem „Warum?“ gilt es sich nun konstruktiv auseinanderzusetzen.
Ausschlaggebend war mit Sicherheit, dass wir dem hohen Anfangstempo Tribut zollten, andererseits aber auch unseren teilweise unsinnigen Laufwegen. Natürlich müssen wir uns im körperlichen Bereich noch verbessern, das steht außer Frage - dabei ist nun jeder einzelne Spieler in der Verantwortung, immerhin haben wir bei der Euro die einmalige Chance, uns selbst ins Rampenlicht zu spielen, viel wichtiger jedoch, den Fußball „Made in Austria“ in ein ungleich besseres Licht zu rücken.
Auch müssen wir Lernen, unsere Kräfte besser einzuteilen. Um das zu erreichen, müssen wir unnütze Laufwege einsparen und dem Spiel Tempowechsel aufzwingen. Keine Mannschaft kann 90 Minuten lang mit 100% Power spielen, man muss auch ab und zu das Tempo rausnehmen. Dies funktioniert natürlich am Besten im Ballbesitz und um das umzusetzen, muss unsere Raumaufteilung besser werden.
Ich bin zuversichtlich, dass noch genug Zeit bleibt, um uns in diesen Punkten bis zur Euro zu verbessern, sehr wichtig wird sein, dass wir die 6 Wochen Vorbereitungszeit optimal nutzen. Ich bin wirklich überzeugt davon, dass wir bei der Euro überraschen werden, ihr werdet schon sehn!
Für mich geht’s am Sonntag bereits mit dem Spiel gegen Chelsea an der Stamford Bridge weiter.
Hier in Boro haben wir uns mit dem Pflichtsieg gegen Derby County eine sehr gute Position im Abstiegskampf verschafft und falls wir bei Chelsea punkten können, würde sich diese natürlich noch einmal sehr verbessern.
Chelsea wird natürlich kein leichter Brocken werden, aber wir haben in der Vergangenheit schon oft gezeigt, dass wir gerade gegen solche Gegner im Stande sind, eine gute Leistung abzurufen.
Eine Woche später geht’s dann zu Hause gegen Manchester United.
Ich freu mich schon auf diese beiden Spiele, denn es ist immer eine große Herausforderung, gegen die besten Mannschaften und Fußballer der Welt zu bestehen, deshalb gefällt es mir in England so gut - hier kann und muss ich wirklich immer bis ans Limit gehen und nach dieser anstrengenden Woche mit 3 Spielen und dem ganzen Reisestress ist das sowieso notwendig! Da fühlt man sich richtig lebendig, das ist Fußball pur in seiner reinsten Form und das brauche ich, wie andere die Luft zum Atmen!
Euer „Mad-Dog“
Emanuel
Zurück in der Nationalmannschaft
Einen besseren Rahmen für meine Rückkehr auf die rot-weiß-rote Showbühne als ein Spiel gegen Deutschland hätte ich mir nicht aussuchen können. Auch wenn die Anreise und meine Rückkehr nach Middlesbrough sehr beschwerlich waren, freue ich mich sehr, wieder im Kader des Nationalteams zu stehen (Auf dem Hinflug ging meine Tasche verloren und meine Rückreise von Wien zu meinem Wohnort in England dauerte für mich „lange“ nervenaufreibende 10 Stunden!).
Vor 48.000 Zuschauer im Ernst-Happel-Stadion zu Spielen, ist schon etwas Besonderes!
Einfach fantastisch - ein unglaubliches Gefühl! Ich war überwältigt, endlich wieder die Nationalhymne im Stadion singen zu dürfen.
In der, aufgrund des Ausfalls von György Garics, neuformierten Dreier-Abwehrkette fand ich mich neben Prödl und Stranzl sehr gut zurecht.
Ich war überhaupt nicht nervös. Ich habe mich auf das Spiel schon seit Wochen gefreut.
Auf dem Platz ist jeder für den anderen gelaufen. Ich bin richtig stolz auf unsere Leistung in der ersten, und auch in der Anfangsphase der zweiten Halbzeit
Die deutsche Mannschaft kann sich schon sehr bei uns bedanken, dass sie mit 0:0 in die Pause gegangen ist.
Rückblickend auf das Spiel war leider nicht alles zur vollen Zufriedenheit.
Leider kippte ab der 60. Minute das Spiel, die körperlichen Defizite wurden sichtbar, sicherlich auch aufgrund der in Österreich noch andauernden Winterpause.
Der entscheidende Punkt war jener, dass Deutschland über 90 Minuten hohes Tempo gehen konnte, während wir nach dem ersten Gegentreffer eingegangen sind. Wenn wir allerdings eine der vielen Chancen genützt hätten, hätten wir im weiteren Verlauf nicht mehr so viel Aufwand betreiben müssen.
Deshalb bin ich über das Ergebnis schon ein bisschen enttäuscht. Das 0:3 war eine sehr herbe Niederlage.
Aber trotz allem haben wir Österreicher bewiesen, dass wir auch guten Fussball spielen können.
Wir müssen an unserem Verhalten vor dem gegnerischen Tor arbeiten, und auch im körperlichen Bereich zulegen – trotz allem, das Spiel gibt auf jeden Fall Hoffnung, bei der EURO doch besser abzuschneiden, als die Mehrzahl der „Fußballkenner“ vermutet.
Ich habe versucht mich einzubringen, um meinen Mitspielern klar zu machen, dass es das Wichtigste ist, dass wir uns nicht verstecken. Ich bin es aus England gewohnt jede Woche gegen große Namen zu spielen. Wenn man sich da von vornherein geschlagen gibt, schaut es schlecht aus.
Eines muss ich aber noch loswerden: Wir haben es am Mittwoch nicht verdient, mit 0:3 vom Platz zu gehen! – aber: es war ja nur ein Freundschaftsspiel … die EURO 2008 wird erst im Juni ausgetragen.
Euer „Mad-Dog“ Emanuel
Super dass Du wieder im Team bist! War im Stadion und bin mit der Leistung des Teams (Ausnahme Manninger) sehr zufrieden! Hoffe Deine Teamkameraden haben Dich nach so langer Abwesenheit wieder freundlichst aufgenommen! Also weiterkämpfen Mad Dog!!!! lg und schönen Tag noch wünscht Hannes
Einberufung ins Nationalteam
Es macht mich persönlich sehr stolz nach so langer Zeit (1 1/2 Jahre) wieder Teil der
Nationalmannschaft zu sein.
Meine bisherige Karriere in der Nationalmannschaft war sicher keine einfache.
Zum Start musste ich und vor allem mein damaliger Teamchef Hans Krankl viel Kritik einstecken. Zum einen, weil viele Journalisten der Meinung waren, ich hätte in der Nationalmannschaft nichts zu suchen. Und zum anderen, weil Hans Krankl trotzdem an mir festhielt. Dieser nicht gerade von Vorschusslorbeeren gekennzeichnete Start war für einen - damals vor allem in der Nationalmannschaft unerfahrenen Spieler wie mich - kein einfacher. Junge Spieler brauchen nun mal Zuspruch und Selbstvertrauen. Ich glaube jedoch, dass ich trotz der schwierigen Umstände auf Grund der steigenden Länderspielerfahrung eine ganz ordentliche Entwicklung auf internationalem Parkett gemacht habe.
Leider gab es immer wieder Rückschläge; vor allem meine rote Karte im letzten Quali-Spiel gegen Nordirland und die daraus resultierende Sperre für die ersten 2 Spiele der EM machten mir zu schaffen.
Diese Situation beeinflusste sichtlich meine Leistung; auch die (körperliche) Umstellung auf die anspruchsvolle englische Liga zollte ihren Tribut. Meine folgenden Leistungen unter Teamchef Hickersberger waren alles andere als berauschend, so ehrlich muss ich sein.
Diese Situation und auch andere Dinge, auf die ich nicht näher eingehen will, frustrierten mich damals so sehr, dass sie leider zum Rauswurf aus der Nationalmannschaft führten.
Die folgende Zeit war sicher nicht einfach, auch ein wenig frustrierend um ehrlich zu sein, denn ich habe mich in der englischen Liga unheimlich weiterentwickelt und konnte in Österreich leider niemandem zeigen, auf welch hohem Niveau ich in der Zwischenzeit im Stande war, Leistung zu bringen. Genau als ich in der Form meines bisherigen Fussballer-Lebens war, durfte ich es niemandem in Österreich zeigen.
Und dann der nächste Tiefschlag: Ich verletzte mich an beiden Knien, und genau in diesem Zeitraum beschließt die
FIFA eine neue Regel, auf Grund derer ich nun meine Sperre absitzen könnte. Auch der Teamchef stellt mir ein Comeback in Aussicht. Nur meine Knie spielen nicht mit und ich weiß nicht einmal, ob ich überhaupt bis zur Euro fit bin. Niemand wagt es, eine Prognose abzugeben. Die Zeit zerrinnt förmlich in meinen Fingern, sie läuft mir sprichwörtlich davon. Die größte Leidenszeit meiner bisherigen Karriere beginnt.
Als Österreicher muss man sich darüber im Klaren sein, dass einem im Fußball nichts geschenkt wird. Ich musste mir in meiner bisherigen Karriere jedes noch so kleine Detail verdammt hart erarbeiten. Ein Österreicher hat eben nicht die Reputation eines Spielers aus Deutschland oder Frankreich.
Genau diese Erfahrung machte für mich jedoch das Unmögliche möglich. Nach meiner Operation in England bei Dr. Bollen suchte ich mir mit Hilfe meines Freundes Armin Assinger die besten Kniespezialisten, die ich kriegen konnte. Wer sollte das besser wissen als Armin, der sich als Skifahrer schon so ziemlich alles im Knie zerstört hat, das man sich vorstellen kann. Und trotzdem läuft er heute noch rund.
Somit landete ich im
ALTIS dem Zentrum für Sportmedizin im Humanomed Zentrum Althofen. Mit verdammt harter Arbeit meinerseits (mein Therapietag begann um 6 Uhr morgens und endete um 17 Uhr) und der tollen Arbeit des Altis Teams - allen voran Christoph Kopeinig, der mich auch nach England begleitete und nun auch für meine weitere Karriere mein persönlicher Physiotherapeut ist - konnte ich nach 3 Monaten wieder spielen. Endlich Licht am Ende des Tunnels.
Gareth Southgate setze mich sofort wieder in der Premier-League ein, somit konnte ich meine Sperre in der Nationalmannschaft gegen England und Tunesien absitzen. Ich war unheimlich glücklich, auch wenn es ein wenig schmerzte, gegen England noch nicht dabei gewesen zu sein.
Nach diesem bisher etwas ungewöhnlichen Weg in Richtung EURO 2008 hoffe ich, dass von nun an alles in ruhigen Bahnen verläuft. Auf Grund meiner Verletzung bin ich zurzeit fitnessmäßig am untersten Level, auch der dichte Spielplan rund ums Länderspiel gegen Deutschland wird mir zusetzen.
Ich glaube aber, dass dies alles „irrerelevant“ ist (wie Hans Krankl sagen würde), falls ich gegen Deutschland auflaufen darf. Die Freude, der Stolz und alles andere werden so viel Adrenalin freisetzen, dass ich wahrscheinlich 2 x 90 Minuten spielen könnte. Wir werden sehen.
Natürlich werde ich auch versuchen, mich so gut wie möglich in die Mannschaft einzugliedern. Diese hat sich weiterentwickelt, vor allem das Mannschaftsgefüge. Hier liegt es an mir, dies zu akzeptieren, wie immer es auch Aussehen mag, und mich bestmöglich einzugliedern.
Keiner ist wichtiger als die Mannschaft.
Euer „Mad Dog“ Emanuel
Nationalteam
Nach all den Turbulenzen, Differenzen ... betreffend ÖFB feiere ich mein Comeback im Nationalteam. Ich werde gegen England und Tunesien allerdings nicht zum Einsatz kommen, da ich meine Sperre absitze. Ich möchte mich nochmals bei all Jenen bedanken, die sich für mich um eine Reduzierung der Sperre eingesetzt haben, im Besonderen bei Josef Hickersberger, der mich trotz aller Differenzen in der Vergangenheit wieder ins Team zurückgeholt hat. Ich verspreche, ich werde dem ÖFB und dem Nationalteam in Zukunft mit vollem Einsatz und Engagement zur Verfügung stehen.
Am Dienstag dieser Woche war ich in einem Match unserer Reservemannschaft gegen Manchester United 90 Minuten – also über die volle Distanz - im Einsatz. Es ging mir dabei ausgezeichnet, ich hatte keinerlei Schmerzen und auch konditionell hat`s gereicht. Ich hoffe, am Samstag gegen Bolton im Kader der Kampfmannschaft zu stehen.
Ich denke, dass ich nach den kommenden Länderspielen wieder in Bestform bin und in dieser Saison endlich mein erstes Bewerbsspiel bestreiten kann.
Dem Nationalteam wünsche ich für die nächsten beiden Spiele viel Erfolg und Glück!
Euer „Mad-Dog“ Emanuel
Eröffnung der EM-Arena in Klagenfurt
Auch meine Gattin Mirjam und ich waren am Freitag in Waidmannsdorf bei der Eröffnung der EM-Arena auf der Tribüne live dabei. Das neue Stadion ist sicherlich eines der schönsten Stadien Europas. Man ist hautnah am Geschehen dran. Da nimmt man es auch in Kauf, wenn ein Spiel einmal nicht so toll sein sollte. Wir haben uns vor allem über sehr viele Bekannte gefreut, mit denen wir wieder einmal plaudern konnten (Reiner
Calmund, Armin Assinger, Mario Haas ) Schade ist nur, dass keine gute Stimmung aufgekommen ist, aber das Spiel gegen Japan hat dies leider nicht zugelassen. Ich bin mir aber sicher, dass wir am Dienstag gegen Chile einen Sieg einfahren werden!
Besonders gefreut habe ich mich, dass mich meine Physiotherapeuten vom
Altis-Team Christoph Kopeinig (mit Gattin Renate) und Uwe Ehlers zum Spiel begleitet haben. Bei Ihnen und natürlich dem ganzen Altis-Team bedanke ich mich für ihre hervorragende Arbeit. Ich werde ja am 17. September wie geplant ins erste Lauftraining in Middlesbrough einsteigen und auch Christoph Kopeinig wird noch 14 Tage mit mir in Middlesbrough arbeiten. Dafür möchte ich mich ganz herzlich beim medizinischen Direktor, Univ.-Doz. Dr. Georg Lajtai bedanken, der es ermöglichte, dass ein Physiotherapeut vom Altis-Team mit mir in England die Therapie fortsetzen darf.
Euer "Mad Dog" Emanuel
Spielberechtigt bei der kompletten EM
Die Nachricht dass ich meine Sperre über 2 Spiele, die ich noch von meiner roten Karte im WM-Qualifikationsspiel gegen Nordirland mit mir "herumtragen" muss, nun in Freundschaftsspielen bis zur EM absitzen darf, hat mich heute wie ein Blitz aus heiterem Himmel getroffen!
Ich hatte heute einen langen Tag hinter mir da ich sehr früh aus den Federn musste um meine Reise nach Middlesbrough anzutreten, wo ich ja in den nächsten 2 Tagen Kontrollen an meinen lidierten Knien haben werde, und aufgrund deren Ergebnisse meinen weiteren Rehaplan mit dem Manager und dem Physioteam abklären werde. Ich bin überzeugt davon dass ich voll im Plan liege und alles sehr positiv verlaufen wird, da ich ja mit dem
Altis Team in Althofen täglich 8 Stunden hart an meiner Genesung gearbeitet habe. Ich kann es kaum Erwarten dass Dr. Bollan mir erlaubt meine Knie mehr zu belasten und somit ein härteres Training zu starten.
Meine Reise begann um 6:30 Uhr in Pörtschach, von wo aus ich mich mit dem Auto nach München aufmachte. Von dort ging es über Amsterdam nach Teesside. Als ich um 18:00 Uhr endlich angekommen war schaltete ich mein Handy ein, und siehe da, ich hatte eine neue Nachricht bekommen: Der
ÖFB teilt mir mit dass ich meine Sperre noch vor der Euro absitzen kann! Endlich war es soweit, ich hatte die Hoffnung nie aufgegeben, und in den letzten Wochen hatte sich die Situation um meine Sperre ja regelrecht zugespitzt. Ich war laufend im Kontakt mit dem ÖFB, da eine baldige Entscheidung der FIFA zu erwarten war. Gigi Ludwig rief mich an um mir mitzuteilen dass es ganz gut aussieht, aber noch nichts definitiv ist. Umso schöner war es heute zu erfahren dass das leidige Thema Sperre endlich so gut wie abgehakt ist! Nun werde ich umso härter arbeiten um schnellsten wieder fit zu werden, damit ich endlich mein Comeback in der Nationalmannschaft geben kann. Ich muss nun die letzten Meter eines harten und steinigen Weges zurück in die Nationalmannschaft und vor allem zur EM zu Ende gehen, aber ich bin mir jetzt schon 100% sicher dass dieses einmalige Ereignis es wert ist, da wir mit der Österreichischen Nationalmannschaft eine ganze Fussballnation zum positiven verändern können!
Abschließend gilt mein Dank all Jenen die sich für mich und eine Reduzierung der Sperre eingesetzt haben, allen voran Gigi Ludwig und Josef Hickersberger die trotz Differenzen in der Vergangenheit an mich glauben, und ich kann es kaum erwarten ihnen und dem ÖFB dieses Vertrauen zurückzugeben.
Euer "Mad Dog" Emanuel